Vom Verletzen zum Heiler

Vom Verletzen zum Heiler

Von Simon Laufer

 

Zuversicht und Lebensfreude blitzen aus den Augen von Jörg Engler. Wer um die Wunden weiß, die das Leben dem baumlangen Mann geschlagen hat, sieht darin ein Wunder. Schläge, Missbrauch und Depressionen prägten ihn – bis er unter der Last zusammenbrach.

 

Der Vater wird zum Tyrann
Die ersten Jahre waren schön. Er wuchs in Flensburg auf, als Sohn eines Seemanns. Als Engler in die Schule kam, wurde der Vater zum Tyrann. Er trank, schlug und demütigte seinen Sohn. Seine Mutter schaute zu. „Ich hatte Sehnsucht nach Annahme und Liebe, aber ich bekam sie nicht“, blickt der heute 54-Jährige zurück.

Mit 13 kam er in ein Kinderheim – und vom Regen in die Traufe. Ein Mann sprach ihn auf dem Sportplatz an, ganz harmlos. Er war nett und zeigte ihm Zuneigung – mehr, als es sein Vater je tat. Endlich konnte er sein Herz ausschütten. Bis der Mann eines Tages plötzlich versuchte, ihn anzufassen und zu küssen. „Ich bin sofort abgehauen und habe den Mann nie wiedergesehen.“ Doch das teuflische Spiel wiederholte sich mehrfach. Englers innere Leere machte ihn anfällig für die Annäherungen, die immer anders aussahen. Bis er 18 war, erlitt er Belästigung und Missbrauch von acht Männern. Der letzte vergewaltigte ihn. Jörg Engler wollte sich seiner Mutter anvertrauen. Ihre Antwort: „Geh’ schlafen, darüber redet man nicht.“

 

Vielleicht ist jemand da oben
Und so vergrub er sein Leid tief in seiner Seele. Freunde erzählten ihm von der bedingungslosen Liebe Gottes. Danach sehnte er sich und sagte: Ja, das will ich auch. Aber seine Seele war noch nicht soweit. Jahrelang hangelte er sich durchs Leben, hatte wechselnde Beziehungen und immer wieder depressive Phasen. Irgendwann war er so verzweifelt, dass er eine tödliche Dosis Tabletten schluckte. Feuerwehrleute fanden ihn beim Müllsammeln in einer Böschung liegend – eine halbe Stunde vor dem Tod. „Da dachte ich: Vielleicht ist ja doch jemand da oben“, erzählt er.

Mit 39 Jahren fing er in Süddeutschland neu an. Er fand eine Gemeinde, verliebte sich in eine Frau und heiratete. Eigentlich ging es ihm gut – aber seine Seele hielt nicht Schritt mit seinem Glück. Eines Morgens, er war 45 Jahre alt, brach er zusammen. Nichts ging mehr. Er begann eine Therapie in einer christlichen Klinik. Drei Wochen lang passierte nichts. Dann, in einer Gebetszeit, brach alles heraus. Zorn, Hass, Trauer. Er schrie und schlug um sich. Die acht Männer standen da vor ihm, das Elend seines Lebens. Und da war Jesus, der ihn fragte: Willst du mir diese Männer geben? Nur dann kannst du frei sein.

 

Die beste Entscheidung des Lebens
Jörg Engler wollte es. „Es war unheimlich schwer, loszulassen. Aber es war die beste Entscheidung meines Lebens.“ Bisher wusste er von der Liebe Gottes – jetzt durchflutete sie ihn. Er hatte von Vergebung gehört – jetzt konnte er wirklich vergeben. Er war frei. Heute ist er selbst Seelsorger und hilft Menschen, frei zu werden und Jesus ihre Seele zu öffnen. Für jeden, der Gottes Berührung spürt, ist er unendlich dankbar. „Dann weiß ich: Auch meine schlimme Geschichte hatte einen Sinn.“

 

Jörg Engler erzählt seine Geschichte in der ERF-Sendung Mensch, Gott am 16. Juni auf Bibel TV.

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